Ich kann mich noch sehr gut an die­sen Mon­tag, den 25.07.2011, erin­nern. Am Mor­gen weck­ten mich im Geist fol­gen­de Wor­te: Auf der Hoch­zeit ist etwas pas­siert! Es han­del­te sich dabei um genau die Vor­ah­nung, mit der ich am Abend zuvor schla­fen gegan­gen war. Die­se Wor­te erzeug­ten ein Gefühl des Unwohl­seins in mir.

Ab die­sem Zeit­punkt schien es unmög­lich für mich, Ruhe zu fin­den. Denn die­ser Gedan­ke beschäf­tig­te mich. Ihm galt mei­ne vol­le Auf­merk­sam­keit. Er nahm Besitz von mir. So war es unmög­lich für mich, wei­ter­zu­schla­fen. In die­sem Moment konn­te ich von mir sagen:

Ich bin besessen.

Daher beschloss ich, auf­zu­ste­hen. Ich sah in der Arbeit eine Chan­ce, zur Ruhe zu kom­men. Ich wünsch­te mir eine Ablen­kung. Ich muss­te mich von die­sen Wor­ten befrei­en. Ich woll­te mei­ne Auf­merk­sam­keit auf etwas ande­res len­ken. In die­sem Moment war es mir sogar egal, dass die Uhr erst kurz nach fünf Uhr mor­gens anzeig­te.    

So stand ich auf und fuhr zur Arbeit. Dort ange­kom­men, schal­te­te ich zuerst mei­nen PC ein. Danach mach­te ich mir einen Kaf­fee. Der war nötig, um mun­ter zu wer­den. Anschlie­ßend über­prüf­te ich mei­nen Ter­min­ka­len­der. Ich schau­te mir mei­ne Auf­ga­ben für die­sen Tag an und begann damit, mich dar­auf vorzubereiten.

So fand ich vor­erst Ablen­kung in mei­ner Tätig­keit. Ich über­leg­te mir die Unter­neh­mens­pro­zes­se. Und schon bald soll­te mein Arbeits­kol­le­ge und Schul­freund Andre­as erschei­nen. Wir begrüß­ten uns gegen­sei­tig und wünsch­ten uns einen schö­nen guten Mor­gen. Danach began­nen wir, uns von unse­rem Wochen­en­de zu erzählen.

Zuerst berich­te­te Andre­as, was er alles erlebt hat­te. Danach war ich an der Rei­he. Ich erzähl­te von mei­ner Fei­er und dem Gedan­ken: Auf der Hoch­zeit ist etwas pas­siert! Und als ich davon sprach, erwach­te sofort wie­der das Gefühl des Unwohl­seins in mir.

Andre­as bemerk­te mei­ne Anspan­nung. Er ver­such­te, mich zu beru­hi­gen und zu trös­ten. Doch all sei­ne Mühe blieb vor­erst wir­kungs­los. Erst der Vor­schlag, früh­stü­cken zu gehen, gefiel mir. Und so soll­te es gesche­hen. Wir gin­gen gemein­sam eine Klei­nig­keit essen.

Das Früh­stück brach­te mich kurz­fris­tig auf ande­re Gedan­ken. Das tat mir in die­ser Situa­ti­on gut. Denn die­se Ach­ter­bahn­fahrt der Gefüh­le nerv­te mich. Ich wuss­te nicht, wie ich mit die­ser Sache umge­hen soll­te. Schließ­lich lös­ten die­se Fra­gen immer wie­der Gefühls­cha­os in mir aus. Ich stell­te mir fol­gen­de Fragen:

Bil­de ich mir etwa alles nur ein?
Neh­me ich etwas wahr, das mei­nen geis­ti­gen Hori­zont übersteigt?

Eine Ant­wort fehl­te mir. Und so sand­te ich den Gedan­ken aus:

Ich will eine Ant­wort auf die­se bei­den Fra­gen erhalten!

Und so soll­te es im Lau­fe des Tages gesche­hen. Die Ant­wort kam frü­her, als mir lieb war. Nach dem Früh­stück gin­gen Andre­as und ich zurück zu unse­rem Arbeits­platz. Dort dach­te ich wie­der sehr inten­siv an Bir­git. Ich hat­te das Gefühl, mei­ner Freun­din eine Kurz­mit­tei­lung schrei­ben zu müssen.

Ich folg­te mei­nem Gefühl und nahm das Han­dy aus der Jacken­ta­sche. Als ich auf das Dis­play blick­te, sah ich, dass ich bereits eine Kurz­mit­tei­lung von ihr erhal­ten hat­te. In die­sem Moment schnell­te mein Puls von Null auf Hun­dert­acht­zig. Ich war kom­plett ange­spannt. Was könn­te der Inhalt die­ser SMS sein? Die­se Fra­ge kam mir in den Sinn. Ich hör­te in mich hin­ein, und dabei kam wie­der die­ses mul­mi­ge Gefühl in mir hoch. Mein Magen krampf­te sich zusam­men und ich spür­te, wie mein Herz immer schnel­ler schlug.

Ich beschloss, mei­nem Gefühl des Unwohl­seins auf den Grund zu gehen. Denn die­se Ach­ter­bahn­fahrt der Gefüh­le war kaum aus­zu­hal­ten. Ich woll­te Gewiss­heit. Ich öff­ne­te die Kurz­mit­tei­lung. Als ich den Inhalt las, war ich auf ein­mal wie ver­stei­nert und muss­te krei­de­bleich gewor­den sein. Ich hat­te ein Déjà-vu.

Der Inhalt der Kurz­mit­tei­lung lau­te­te sinn­ge­mäß: Michi, ich muss mit dir reden. Auf der Hoch­zeit ist etwas pas­siert. Mel­de mich spä­ter. Bir­git. Nun war ich sprach­los. Ich las genau die Wor­te, die ich tief in mir gespürt hat­te. Sie bestä­tig­ten mei­ne Vor­ah­nung zu 100 Prozent.

Einen kur­zen Augen­blick spä­ter sprach mich mei­ne Arbeits­kol­le­gin Cari­na an. Sie sah mir an, dass etwas in mir vor­ging, weil ich anders war, als sonst. Und so frag­te mich Cari­na: „Michi, ist alles in Ord­nung mit dir? Du siehst heu­te so anders aus. Fehlt dir was?“ 

Ich zeig­te Cari­na die Kurz­mit­tei­lung von Bir­git. Und als mei­ne Arbeits­kol­le­gin die Kurz­mit­tei­lung las, ver­stand sie mei­nen Gesichts­aus­druck. Sie wuss­te nun, was in mir vor­ging und woll­te mich beru­hi­gen. Cari­na ver­such­te, mich in ein Gespräch zu verwickeln.

Sie sag­te zu mir: „Micha­el, war­te ab. Bleib ruhig. Viel­leicht ist es anders, als du denkst.“ All ihre Wor­te klan­gen im ers­ten Moment sehr auf­bau­end und spen­de­ten mir ein wenig Trost. Doch mein Gefühls­zu­stand blieb unver­än­dert. In mir ent­stand der Drang, auf Bir­gits Kurz­mit­tei­lung zu antworten.

Und so hör­te ich in mich hin­ein. Denn der Schrei mei­ner See­le wur­de immer lau­ter. In mei­nem Kopf waren deut­lich fol­gen­de Wor­te zu hören: Schreib Bir­git zurück! Und so soll­te es gesche­hen. Wie in einem Zustand der Tran­ce schrieb ich fol­gen­de Wor­te: „Egal was pas­siert ist, Bir­git. Ich lie­be dich! Denn genau das fühl­te ich in die­sem Moment:

Ich lie­be dich.

Zum ers­ten Mal in mei­nem Leben konn­te ich die­se Wor­te einer Frau schrei­ben. Ich spür­te, dass es der Wahr­heit ent­sprach. Das Gefühl kam direkt aus mei­nem Her­zen. Bevor ich nun die Kurz­mit­tei­lung abschick­te, zeig­te ich sie mei­ner Arbeits­kol­le­gin Carina.

Dar­auf­hin mein­te die­se zu mir: „Micha­el, willst du das wirk­lich schrei­ben? War­te doch ab, was pas­siert ist.“ Doch aus mei­ner Sicht war es egal, was sich auf der Hoch­zeit ereig­net hat­te. So ant­wor­te­te ich Fol­gen­des: „Cari­na, es ist egal, was da gewe­sen ist. Ich lie­be Bir­git. Das weiß ich. Sie hat das Recht, es zu erfahren.“

Ich mach­te eine klei­ne Pau­se, dann setz­te ich das Gespräch fort: „Weißt du, es ist egal, wel­ches Sze­na­rio ich mir jetzt vor­stel­le. Es ist nicht wirk­lich wich­tig, ob Bir­git einen ande­ren Mann geküsst hat, oder gar mit ihm im Bett gewe­sen ist. Lie­be ver­zeiht!“ Ich kann sagen:

Ich lie­be, zu lieben.

Und ich lieb­te Bir­git. Des­sen war ich mir bewusst. Ich woll­te zu ihr ste­hen. Egal was pas­siert ist. Ich hat­te vor, ihre Ent­schei­dung voll und ganz zu akzep­tie­ren, wie auch immer die­se aus­se­hen moch­te. Es lag ein­zig und allein bei Bir­git, wie es wei­ter­ging mit uns bei­den. Sie muss­te wis­sen, was sie woll­te. Ich konn­te nur für mich spre­chen, wenn ich sagte:

Ich weiß, was ich will.

„Daher wer­de ich mich dem Schick­sal fügen.“ Als ich die­se Wor­te aus­sprach, spür­te ich, wie ein Ener­gie­im­puls in Form von Wär­me durch mei­nen Kör­per floss. Es war ein sehr ange­neh­mes und beru­hi­gen­des Gefühl. Die aus­ge­spro­che­nen Wor­te ver­lie­hen mir Kraft. Ich fühl­te, dass die­se Ant­wort die ein­zig wah­re für mich sein sollte.

So schick­te ich mei­ner Freun­din die­se Kurz­mit­tei­lung: „Egal was pas­siert ist, Bir­git. Ich lie­be dich!“ Zum ers­ten Mal in mei­nem Leben sprach ich das aus, was ich tat­säch­lich fühl­te. Die­se Wor­te mein­te ich ehr­lich. In die­sem Moment konn­te ich sagen:

Ich bin ehrlich.

Ich war ehr­lich zu mir SELBST. Ab die­sem Zeit­punkt konn­te ich mich aller­dings nicht mehr auf mei­ne Arbeit kon­zen­trie­ren. Ich sah kei­ne Mög­lich­keit, mich von mei­nen Gedan­ken abzu­len­ken. Den gan­zen Tag über beschäf­tig­te mich fol­gen­de Fra­ge: Was wür­de das Gespräch erge­ben? Und die­se Unsi­cher­heit lös­te unter­schied­li­che Gefüh­le in mir aus.

Von Wut, Hass, Zorn, Trau­er bis hin zur Lie­be hat­te ich alle Zustän­de gleich­zei­tig. Wie soll ich Bir­git gegen­über­tre­ten? Die­se Fra­ge kam mir eben­falls in den Sinn. Und so bat ich Gott um sei­ne Hil­fe: Bit­te lie­ber Gott, lass mich die pas­sen­den Wor­te fin­den. Die­ses Anlie­gen sprach ich in Gedan­ken aus. Ich ging ich in mich und über­leg­te mir die fol­gen­de Frage:

Was will ich?

Und die Ant­wort auf die­se Fra­ge lautete:

Ich will wei­se handeln! 

Das war zum dama­li­gen Zeit­punkt mein innigs­ter Wunsch. Daher ging ich in mich. Schließ­lich kann­te ich aus frü­he­ren Erleb­nis­sen die Bedeu­tung des fol­gen­den Leitsatzes:

In der Ruhe liegt die Kraft

 

Und die­sen Zustand der Ruhe und der Gelas­sen­heit ver­such­te ich nun, in mir her­zu­stel­len. Dazu atme­te ich tief ein und wie­der aus. Die­sen Vor­gang wie­der­hol­te ich mehr­mals. Durch die kon­zen­trier­te Atmung schaff­te ich es, mich zu beru­hi­gen. In die­sem Moment konn­te ich sagen:

Ich bin ruhig.

Dank die­ser Wor­te war ich kom­plett bei mir. Ich war eins mit mir SELBST. Die­ser Zustand tat mir gut. Ich spür­te in die­sem Moment, wie ich aus mir SELBST Ener­gie und Kraft schöpf­te. Und so wuss­te ich, dass ich in der Situa­ti­on wei­se han­deln wür­de. Denn Gott war mir in die­ser Stun­de nahe.

Die Stun­de der Wahr­heit rück­te immer näher. Und mein Herz begann immer schnel­ler zu pochen. Die Unge­wiss­heit mach­te mich ver­rückt. Doch mit der Zeit sah ich der Situa­ti­on gelas­se­ner ent­ge­gen. In die­sem Moment konn­te ich sagen:

Ich bin gelassen.

Jetzt war es so weit. Mein Tele­fon läu­te­te. Bir­git rief an. In kür­zes­ter Zeit schnell­te mein Puls wie­der von Null auf Hun­dert­acht­zig. Daher kon­zen­trier­te ich mich wie­der auf mei­ne Atmung.

Ich atme­te tief ein und wie­der aus. So beru­hig­te ich mich. Danach stand ich von mei­nem Arbeits­platz auf. Ich nahm mein Han­dy und ging nach drau­ßen. Dabei sand­te ich die fol­gen­den Wor­te zu Gott: Bit­te lie­ber Gott, ste­he mir jetzt bei! Dann hob ich ab.

Bir­git begrüß­te mich mit zitt­ri­ger Stim­me: „Hal­lo Michi!“ Ihr fiel das Spre­chen hör­bar schwer. Da wuss­te ich, dass ich ihr viel bedeu­te. Doch Bir­git stand vor einem Gewis­sens­kon­flikt. Die­se Span­nung nahm ich wahr.

„Hal­lo Bir­git!“ Ich begrüß­te sie mit freund­li­cher, sanf­ter und ruhi­ger Stim­me. „Was ist auf der Hoch­zeit pas­siert?“ Als ich die­se Wor­te aus­sprach, merk­te ich, dass ich kom­plett ent­spannt war. In die­sem Moment konn­te ich sagen:

Ich bin in mei­ner Mitte.

Ich freu­te mich, Bir­gits Stim­me zu hören. Schließ­lich war ich neu­gie­rig, was sie mir zu erzäh­len hat­te. Und so ver­lief das Gespräch wei­ter: „Ich habe auf der Hoch­zeit einen Mann ken­nen­ge­lernt!“ Danach mach­te mei­ne Freun­din eine kur­ze Pau­se. In die­sem Moment kam mir wie­der der Gedan­ke vom Vor­tag in den Sinn.

Die­ser Gedan­ke lös­te neu­er­lich Unwohl­seins in mir aus. Ich merk­te, wie die Anspan­nung die Ober­hand gewann. Daher sand­te ich in den fol­gen­den Gedan­ken aus:

Ich will ruhig und gelas­sen bleiben! 

Und so soll­te es gesche­hen. Kur­ze Zeit spä­ter konn­te ich wie­der sagen:

Ich bin ruhig und gelassen. 

Ich hör­te Bir­git wei­ter­hin auf­merk­sam zu. Und so setz­te sie das Gespräch ehr­lich fort: „Und ich will ihn wie­der­se­hen!“ Als Bir­git die­se Wor­te zu mir sprach, wuss­te ich, dass für mich der Zeit­punkt gekom­men war, um zu gehen. Eine Tren­nung stand unmit­tel­bar bevor. Das spür­te ich in die­sem Moment. Und ich woll­te unbe­dingt nach fol­gen­den Wor­ten handeln:

Ich akzep­tie­re dei­ne Entscheidung.

Das hat­te ich zuvor zu mei­ner Arbeits­kol­le­gin Cari­na gesagt. Und ich woll­te nach die­sen Wor­ten han­deln. Sie ent­spra­chen mei­ner Vor­stel­lung von Lie­be. Ich woll­te unbe­dingt fol­gen­den Leit­satz berücksichtigen:

Lie­be ist, so wie du bist

 

Daher ver­setz­te ich mich in Bir­gits Situa­ti­on. Ich konn­te nach­emp­fin­den, was gera­de in ihr vor­ging. In die­sem Moment ver­spür­te ich den Wunsch, ihr den Abschied so ein­fach wie mög­lich zu machen. Denn tief in mei­nem Inne­ren woll­te ich, dass Bir­git glück­lich ist. Instink­tiv wuss­te ich, dass nur Bir­git ent­schei­den kann, was sie SELBST glück­lich macht.

Bir­git setz­te das Gespräch fort: „Es tut mir leid, Michi. Ich kann mich nur auf einen Mann kon­zen­trie­ren! Ich glau­be, dass ich ihn wie­der­se­hen will.“ Und ich ver­stand sie in die­sem Moment. Ich spür­te, dass sie sich ent­schei­den muss­te. Schließ­lich ist Bir­git eine Frau, die nach fol­gen­den Wor­ten lebt:

Ich bin mit Leib und See­le bei der Sache.

Auch sie schenk­te, genau wie ich, immer nur einem Men­schen vol­le Auf­merk­sam­keit. In die­ser Hal­tung liegt wah­re Grö­ße für mich. Und so ließ ich Bir­git wei­ter­spre­chen. Durch das Aus­re­den und das genaue Zuhö­ren erkann­te ich einer­seits ihre Ent­schlos­sen­heit, ande­rer­seits ihre Unsicherheit.

Daher frag­te ich noch­mals lie­be­voll nach: „Bir­git, was willst du wirk­lich? Willst du den Mann wirk­lich wie­der­se­hen?“ Und Bir­git ant­wor­te­te mir: „Ja, ich will ihn wie­der­se­hen!“ Und als Bir­git die­se Wor­te aus­sprach, war mir klar, dass ich sie gehen las­se. Denn unbe­wusst leb­te ich damals nach dem fol­gen­den Leitsatz:

Dein Wil­le geschehe

 

Und so soll­te es gesche­hen. Nach die­sen Wor­ten wuss­te ich, wie ich zu han­deln hat­te. Bir­git setz­te das Gespräch mit fol­gen­den Wor­ten fort: „Mir ist unklar, was auf mich zu kommt und was gesche­hen wird. Ich weiß nur, dass es für mich unmög­lich ist, mich mit zwei Män­nern gleich­zei­tig zu treffen!“

„Ich ver­ste­he dich, Bir­git!“, sprach ich zu ihr. Denn ich konn­te ihre Wor­te wirk­lich nach­voll­zie­hen. „Wenn dies dein innigs­ter Wunsch ist, den Mann von der Hoch­zeit wie­der­zu­se­hen, dann soll es so sein!“

Ich will, dass du glück­lich bist!

Als ich die­se Wor­te aus­sprach, spür­te ich, dass posi­ti­ve Ener­gie durch mei­nen Kör­per floss. In die­sem Moment ver­än­der­te sich mein Welt­bild. Ich wur­de gera­de ver­las­sen und hat­te trotz­dem ein posi­ti­ves Gefühl bei der Sache. Tief in mei­nem Her­zen spür­te ich, dass ich selbst­los han­del­te. Die­ses Gefühl fühl­te sich wahr­haf­tig und lie­be­voll an.

Und so sag­te ich zu Bir­git: „Bir­git! Löse dich von der Furcht! Bezwing dei­ne Zwei­fel. Den­ke posi­tiv, dann bekommst du das, was du dir erträumst. Ich wün­sche dir alles Lie­be auf dei­nem Weg. Mögen all dei­ne Vor­stel­lun­gen Wirk­lich­keit wer­den. Du bist eine tol­le und attrak­ti­ve Frau! Du hast das Bes­te verdient!“

Nach mei­nen Wor­ten herrsch­te eini­ge Sekun­den Stil­le. Danach ver­ab­schie­de­ten wir uns von­ein­an­der mit den fol­gen­den Wor­ten: „Bus­si. Ich wün­sche dir alles Gute auf dei­nem Weg.“ Dann leg­ten Bir­git und ich auf. Es soll­te vor­erst das letz­te Gespräch sein, das Bir­git und ich führten.

Was war gera­de gesche­hen? Die­se Fra­ge ging mir kur­ze Zeit spä­ter durch den Kopf. Tief in mir spür­te ich, dass mei­ne Reak­ti­on die ein­zig rich­ti­ge gewe­sen war. Mei­ne Hand­lungs­wei­se emp­fand ich als selbst­los. Sie kam von Herzen.

Doch für mei­nen Ver­stand erschloss sich die Sinn­haf­tig­keit mei­nes Han­delns noch nicht. Er woll­te anders reagie­ren. Doch in die­sem Moment hör­te ich auf die Stim­me mei­nes Her­zens. Mein Herz ließ Bir­git gehen. So ent­stand in mir ein Zwiegespräch.

Wie­so lässt du Bir­git gehen? Kämp­fe um sie! Zeig, dass du sie liebst! Unter­nimm was! All die­se Rat­schlä­ge brach­te mein Ver­stand wütend in die Dis­kus­si­on ein. Mein Herz ant­wor­te­te lei­se und sanft: Voll­kom­me­ne Lie­be akzep­tiert jede Ent­schei­dung und lässt einen Men­schen ein­fach sein, wie er ist.

Doch für mei­nen Ver­stand waren die­se Wor­te unbe­greif­lich. Die­se Lie­bes­vor­stel­lung über­stieg vor­erst mei­nen geis­ti­gen Hori­zont. Mit die­ser Ein­stel­lung hat­te mein Ver­stand zu kämp­fen. Des­we­gen mel­de­te er sich so deut­lich zu Wort und lös­te damit immer wie­der aufs Neue Zwei­fel in mir aus.

Vor­erst soll­te mein Herz sieg­reich blei­ben. Zumin­dest war es an die­sem Tag so. Mein Herz hat­te es geschafft, mei­nen Ver­stand zu über­zeu­gen. Dies gelang durch fol­gen­de Wor­te: Tief in ihrem Inne­ren weiß Bir­git, dass du sie liebst! Ver­traue mir! Sie weiß dein Han­deln zu schät­zen! Die­se Wor­te konn­te mein Ver­stand letzt­lich annehmen.

Ich atme­te drei­mal tief ein und wie­der aus. Danach ging ich zurück zu mei­nem Arbeits­platz. Dort frag­te mich Andre­as sofort, wie das Gespräch mit Bir­git ver­lau­fen sei. Und ich ant­wor­te­te Andre­as fol­gen­der­ma­ßen: „Ich habe Bir­git gehen las­sen. Wir haben uns getrennt!“

Als mein Arbeits­kol­le­ge die­se Wor­te hör­te, schau­te er mich fra­gend an. Dann sprach er: „Wie jetzt? Wie meinst du das? Du liebst Bir­git doch. Das weiß ich doch aus dei­nen Erzäh­lun­gen. Oder ist es mitt­ler­wei­le anders? Wie kann ich das ver­ste­hen? Wie konn­test du so han­deln? Geht das so einfach?“

All die­se Fra­gen hat­te mir mein Ver­stand zuvor auch gestellt. Ich ant­wor­te­te Andre­as: „Ja, ich lie­be Bir­git. Nur manch­mal muss man einen Men­schen gehen las­sen, damit er zurück­keh­ren kann. Mein Herz hat mir das gesagt.“ Und so wer­den mir fol­gen­de Wor­te, die ich danach aus­sprach, ewig in Erin­ne­rung bleiben:

„Ich lie­be Bir­git, so wie ich mich SELBST lie­be, nicht mehr oder weni­ger, son­dern gleich. Wür­de ich sie mehr lie­ben als mich SELBST, dann wür­de ich in eine Abhän­gig­keit fal­len. Ich wür­de mich Bir­git unter­wer­fen. Ich wür­de zu ihr auf­schau­en. Ich wäre ihr untertänig.

Wür­de ich Bir­git weni­ger lie­ben als mich SELBST, dann wür­de der umge­kehr­te Fall ein­tre­ten. Bir­git wür­de sich in eine Abhän­gig­keit bege­ben. Ich wür­de zu jedem Zeit­punkt das Gesche­hen bestim­men und die Rich­tung vorgeben.

Des­we­gen stre­be ich danach, Bir­git gleich zu lie­ben. Ich stre­be danach, sie so zu lie­ben, wie mich SELBST. Ich will, dass sich Geben und Neh­men oder lie­ben und geliebt wer­den die Waa­ge halten.“

Nach­dem ich aus­ge­spro­chen hat­te, schau­te mich Andre­as ver­dutzt an. Die­se Wor­te waren ihm unbe­kannt. Und doch bemerk­te ich, dass er ver­such­te, mir zu fol­gen und mei­ne Wor­te zu ver­ste­hen. Und so setz­te ich mei­ne Erklä­rung fort:

„Ich will das Bes­te für mich. Ich will das Bes­te für Bir­git. Ich weiß, was das Bes­te für mich ist. Mir ist bewusst, dass nur Bir­git weiß, was das Bes­te für sie ist. Des­we­gen akzep­tie­re ich ihre Ent­schei­dung, egal wie die­se aus­fällt. Genau­so wün­sche ich mir auch von Bir­git, dass auch sie all mei­ne Ent­schei­dun­gen bedin­gungs­los akzeptiert.

Beschließt sie, ein Stück des Weges allein zu gehen, dann las­se ich sie in Frie­den zie­hen. Sie bestimmt, ob es eine Rück­kehr gibt. Sie bestimmt den Zeit­punkt der Rück­kehr. Die Tür zu mir wird für Bir­git immer geöff­net sein. Sie wird mein Haus jeder­zeit betre­ten kön­nen. Ich wer­de sie lie­be­voll empfangen.

Mein Wunsch ist, dass Bir­git glück­lich ist. Genau­so will ich SELBST glück­lich sein. Ich wäre unglück­lich, wenn sich Bir­git SELBST unglück­lich machen wür­de, indem sie gegen ihren Wil­len bei mir bleibt.

Mir ist bewusst, dass ein gemein­sa­mes Glück so lan­ge währt, solan­ge Har­mo­nie zwi­schen bei­den Per­so­nen besteht. Des­we­gen las­se ich Bir­git in Frie­den zie­hen, damit sie in Frie­den zurück­kom­men kann, wann immer sie möchte.“

Als Andre­as die­se Wor­te hör­te, war er ziem­lich erstaunt. So eine Ein­stel­lung war ihm bis­lang fremd. Sei­ne Ver­blüf­fung drück­te er so aus: „WOW! Ich fin­de dei­ne Ein­stel­lung groß­ar­tig. Ich wünsch­te, ich könn­te eben­so han­deln. Zu so einer selbst­lo­sen Hand­lungs­wei­se gehört viel Mut.“

Und als Andre­as dies aus­sprach, wur­de mir bewusst, was ich durch die­ses Ereig­nis lern­te. In die­sem Moment erkann­te ich die voll­kom­me­ne Lie­be. Seit die­sem Tag kann ich von mir fol­gen­de Wor­te sagen:

Ich ken­ne die voll­kom­me­ne Liebe.

Jedes Mal, wenn ich die Geschich­te mit Bir­git lese oder erzäh­le, dann kom­men mir die Tränen.

Was denkst du, was das für Trä­nen sind?
Wie wür­dest du mit die­ser Situa­ti­on umge­hen?
Wie hät­test du dich ver­hal­ten?
Was kannst du aus die­ser Erzäh­lung für dein Leben mit­neh­men?
Ist es dir in dei­nem Leben schon ein­mal ähn­lich ergangen?

Gehe in dich und den­ke in Ruhe über die­se Fra­gen nach. Las­se dei­nen Gedan­ken frei­en Lauf und nimm dir für die Beant­wor­tung so viel Zeit, wie du brauchst. Sei dabei ehr­lich zu dir SELBST.

Wenn sich aus einer Fra­ge wei­te­re erge­ben, dann hal­te die­se eben­falls in dei­nem Tage­buch fest. Du wirst auf alles eine Ant­wort bekom­men, die du dir schließ­lich SELBST geben wirst.

Wenn du nun denkst, mei­ne Trä­nen sind Trä­nen der Trau­rig­keit, dann irrst du dich. Für mich sind es Trä­nen der Freu­de. Ich bin stolz und freue mich sehr, wenn ich mich an die­se wun­der­vol­le Begeg­nung zurück­er­in­ne­re. Dank Bir­git, dank die­ser ein­zig­ar­ti­gen Begeg­nung, war es mir mög­lich, die voll­kom­me­ne Lie­be für mich zu entdecken.

Die voll­kom­me­ne Lie­be ist der größ­te Schatz, den ich je in mei­nem Leben fand. Und so habe ich mich dafür ent­schie­den, die voll­kom­me­ne Lie­be immer in mei­nem Her­zen zu tra­gen. Ich fass­te für mich den fol­gen­den Entschluss:

Ich will die voll­kom­me­ne Lie­be verbreiten!

Des­we­gen wid­me ich Bir­git die­ses Buch. Es stellt für mich die Erin­ne­rung an eine wun­der­ba­re Zeit und eine Wert­schät­zung ihr gegen­über dar. Gleich­zei­tig ist es ein Zei­chen der Freu­de und der Dankbarkeit.

So möch­te ich ger­ne an die­ser Stel­le die Gele­gen­heit nut­zen, um mich bei dir, Bir­git, zu bedan­ken: „Ich dan­ke dir aus tiefs­tem Her­zen. Ich füh­le mich pri­vi­le­giert, dass ich 80 Tage an dei­ner Sei­te ver­brin­gen durf­te. Dank dir sehe ich die Welt mit ande­ren Augen. Du hast aus einem Blin­den einen Sehen­den gemacht. Für mich bist du ein wah­rer Engel auf Erden.“

Dank die­ser wun­der­vol­len Begeg­nung öff­ne­te sich mein Herz. Ich durf­te die voll­kom­me­ne Lie­be spü­ren. Ich habe mich dazu ent­schie­den, sie in mei­nem Her­zen zu tra­gen. So wur­de Bir­git die Frau mei­nes Her­zens. Jetzt kennst du die wah­re Geschich­te. Dank die­ser ein­zig­ar­ti­gen Begeg­nung lern­te ich, den fol­gen­den Leit­satz zu begreifen:

Ehre, wem Ehre gebührt

 

So ist mir Bir­git in Erin­ne­rung geblie­ben. Aber auch die­ser Arbeits­tag hat sich in mein Gedächt­nis ein­ge­brannt. Denn ich zwei­fel­te damals mein eige­nes Ver­hal­ten an. Es war mein Ver­stand, der die­se Unsi­cher­heit in mir aus­lös­te. Und so muss­te ich ler­nen, mei­nen Ver­stand zu ver­lie­ren. Daher sand­te ich fol­gen­den Gedan­ken aus:

Ich will mei­nen Ver­stand verlieren! 

Und so soll­te eine Rei­se begin­nen, die zu mir SELBST führ­te. Ich begann sie an dem Abend der Tren­nung von Bir­git, indem ich den Tag noch­mals Revue pas­sie­ren ließ. Ich ging in mich. Dabei begann ich, mich SELBST zu hin­ter­fra­gen. Und so erkann­te ich das Fun­da­ment der voll­kom­me­nen Liebe.

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