Und so kam es, dass ich nach der Volksschule das Gymnasium besuchte. Ich freute mich darauf. Schließlich wusste ich, dass das Gymnasium eine neue Ära in meinem Leben einleiten würde. Ich verließ die Kindheit und blickte hoffnungsvoll dem neuen Lebensabschnitt, der Jugend, entgegen. Dazu stellte ich mir die folgende Frage:

Was will ich?

Ich ging in mich. Ich ließ die Frage auf mich wirken. Und als ich dies tat, sollten mir unterschiedliche Gedanken in den Sinn kommen. Jedem einzelnen schenkte ich dabei meine Aufmerksamkeit. Im Geiste überprüfte ich, welche Vorstellungen ich in meiner Jugend realisieren wollte. Schon bald sollte folgender Entschluss für mich feststehen:

Ich will angesehen bei meinen Mitschülern sein!

Ich will Klassenbester sein!

Ich will weiterhin bei SK Rapid Wien Fußball spielen!

Ich will das Gymnasium mit dem Abitur abschließen!

Diese Gedanken wollte ich in meiner Jugend realisieren. Und so sollte es vorerst auch geschehen. Durch mein Verhalten schaffte ich es, dass ich angesehen und beliebt bei meinen Mitschülern war. Dank meines Fleißes und meines Ehrgeizes konnte ich mein Ziel, Klassenbester zu werden, erreichen. Alles lief wie am Schnürchen, denn ich hatte mein Leben nach dem folgenden Leitsatz ausgerichtet:

Fleiß hat seinen Preis

 

Doch mein Leben sollte sich ändern, als ich eines Tages eine Schularbeit aus dem Unterrichtsfach Mathematik zurückbekam. Es handelte sich um ein Fach, indem ich damals wahnsinnig begabt war. Meine Neigung zur Mathematik verdanke ich meiner Großmutter. Sie brachte mir auf eine spielerische Art und Weise den Umgang mit Zahlen bei. Dadurch schaffte sie es, mein Interesse dafür zu wecken. Mit ihr übte ich gern das Kopfrechnen und es machte mir Spaß, mathematische Aufgaben zu lösen. So konnte ich folgende Worte von mir sagen:

Ich bin mit Leib und Seele bei der Sache.

Doch dies sollte sich an jenem besagten Tag ändern. Diesmal wurde meine Schularbeit mit der Note „Gut“ bewertet. Als ich das Heft zurückbekam, war ich sehr enttäuscht und traurig über das Ergebnis. „Wie konnte das passieren?“ Diese Frage ging mir durch den Kopf. Zum ersten Mal hatte ich mein Ziel verfehlt.

Deshalb sah ich mir meine Schularbeit gründlich an. Dabei wurde ich wütend, denn aus meiner Sicht waren alle Beispiele von mir korrekt berechnet worden. Das einzige, was mein Lehrer bemängelte, war eine mathematische Definition, die ich aus meiner Sicht ebenfalls korrekt wiedergegeben hatte. In meinem Übungsheft stand sie genauso aufgeschrieben.

Die Definition bestand aus zwei Hälften. Bei der Schularbeit wurde allerdings nur nach einem der beiden Teile gefragt. In meinem Übereifer schrieb ich jedoch beide auf. Daher bewertete mein Lehrer die Antwort als falsch.

Seine Begründung lautete sinngemäß: „Michael, ich habe nur nach einem Teil der Definition gefragt. Du hast mir beide aufgeschrieben. Daher gehe ich davon aus, dass dir unklar ist, wonach ich gefragt habe. Deshalb kann ich die Antwort nur als Fehler werten! Deswegen steht dir nur die Note „Gut“ zu!“

Diese Begründung regte mich auf. In Wahrheit wollte ich doch nur zeigen, dass ich beide Teile der Definition kannte. Mir war sehr wohl bewusst, dass nur nach einem gefragt worden war. Die Benotung erschien mir willkürlich. Daher suchte ich in der Pause erneut das Gespräch.

Doch der Lehrer weigerte sich, meine Sicht zu akzeptieren. Er beharrte auf seinem Standpunkt. So entstand der Eindruck in mir, dass Benotungen reine Willkür darstellen. In diesem Moment begann ich, das Bewertungssystem anzuzweifeln. Und als ich dies tat, wurde ich unbewusst mit dem folgenden Leitsatz konfrontiert:

Alles dreht sich

 

Meine Welt begann, sich zum ersten Mal zu drehen. Dies geschah, weil ich meiner Meinung mehr Bedeutung schenkte, als der Meinung meines Lehrers. So erschuf ich unbewusst ein Gefälle, und mein inneres Gleichgewicht geriet aus der Bahn. Ich war unfähig, das Erlebnis einfach ruhen zu lassen, denn die folgenden Worte gingen mir ständig durch den Kopf:

Ich bin im Recht.

Davon war ich überzeugt und daher bereit, meinen inneren Konflikt nach außen zu tragen. Dies tat ich auch, indem ich meiner Umgebung die Arbeit zeigte und darüber zu reden begann. Durch die Gespräche wurde ich von den Menschen, die eine ähnliche Sicht wie ich vertraten, in meinem Glauben bestärkt.

Jene Personen hingegen, die den Standpunkt meines Lehrers einnahmen, versuchte ich von meiner Sicht zu überzeugen. Gelang mir dies, so war ich zufrieden. Hielten sie jedoch an ihrer Meinung fest, so wurden sie mir unsympathisch. Diese Menschen begann ich, als Verräter zu bezeichnen.

Ab diesem Zeitpunkt wurde ich SELBST zum Richter. Ich begann, Situationen zu bewerten. Ich glaubte, im Recht zu sein und begann mich aufgrund meiner Verhaltensweise, gegenüber der Ansicht anderer zu verschließen. Innerlich verkrampfte ich. Dadurch verlor ich meine Lockerheit. So lernte ich am eigenen Leib den folgenden Leitsatz kennen:

Alles steht in einem unmittelbaren Zusammenhang

 

Meine Welt begann, sich zu verändern, da ich sie nun mit anderen Augen betrachtete. Ich legte die kindliche Anschauung ab und eignete mir eine wertende und besitzergreifende Sichtweise an. Dies geschah dadurch, indem ich das Erlebnis zu analysieren begann. Die folgenden Fragen sollten mich zu einem Umdenken bewegen:

Welchen Sinn hat die Schule, wenn ein Lehrer willkürlich handeln kann?
Warum muss ich für etwas lernen, wenn mir das Interesse dafür fehlt?
Was sagen Noten über einen Menschen aus?
Was sagt ein Titel über einen Menschen aus?
Welchen Sinn hat die Schule?

Diese Fragen ließ ich auf mich wirken. Jede davon ging ich solange in meinem Kopf gedanklich durch, bis ich mir SELBST eine Antwort geben konnte. Schließlich kam ich zu folgender Überzeugung:

Ein Lehrer benotet die Leistung seines Schülers. Entspricht sie seinen Vorstellungen, erhält der Schüler eine angemessene Benotung nach dem persönlichen Wertesystem des Pädagogen. Dieser hat eine Machtposition inne und entscheidet über das Schicksal seines Schützlings. Er spielt sozusagen Gott.

Dieses Bild sollte in meinem Kopf entstehen und mit der Zeit unterschiedliche Gefühle in mir hervorrufen. Eines davon war das Gefühl der Willkür, ein anders das der Ungerechtigkeit. Diese Emotionen und noch viele mehr konnte ich in dieser Situation wahrnehmen. Das geschah deswegen, da ich unfähig war, die folgenden Worte von mir zu sagen:

Ich lasse sein.

So entfernte ich mich aus dem Zustand des Seins und begab mich unbewusst in den Zustand des Habens. Ich hatte mir meine Meinung gebildet und diese wollte ich nun auf Biegen und Brechen durchsetzen. Ich war bereit, den Kampf anzunehmen und Widerstand zu leisten. Unbewusst erschuf ich so eine rechthaberische Persönlichkeit.

Die folgenden Gedanken sollten nun meine Persönlichkeit in der Jugend bestimmen:

Ich will mich für mein Recht einsetzen!

Ich will gegen die Ungerechtigkeit ankämpfen!

Ich will an meiner Meinung festhalten!

Ich will der Willkür ein Ende setzen!

Ich will mich für die Schwachen einsetzen!

Ich will die Starken bekämpfen!

Diese Gedanken entstanden dadurch, indem ich begann, Situationen zu bewerten. Unbewusst erschuf ich so das Schubladendenken. Auf diese Denkweise gehe ich im Kapitel „Schubladendenken“ näher ein.

Doch vorerst sollte ich den Sinn in meinen Handlungen verlieren. Dies geschah dadurch, indem ich nun das Bildungssystem in Frage stellte. Als ich dies tat, veränderte sich meine Einstellung zur Schule. Ich begann, meine Ziele neu zu definieren:

Ich will irgendwie durchkommen!

Ich will das Gymnasium mit dem Abitur abschließen!

Diese Gedanken waren ausschlaggebend dafür, dass ich von meinem Vorhaben abkam, Klassenbester zu sein. Deswegen veränderte sich auch meine Welt, und ich wurde vom Klassenbesten zum Durchschnittsschüler. Ich machte nur das Wichtigste, um in der Schule zu bestehen.

So setzte langsam der Verfall ein. Von Tag zu Tag wurden meine schulischen Defizite größer. Als ich dies erkannte, versuchte ich dagegen vorzugehen. Ich sah mir meine Bildungslücken genau an und versuchte, zu handeln. Doch als ich dies tat, vernachlässigte ich andere Unterrichtsfächer. Schon bald sollten neue Defizite entstehen.

Ich stopfte sozusagen ein Loch, und an einer anderen Stelle entstand ein neues. Wohin dies alles führte, ist dir mittlerweile von einer früheren Stelle in diesem Buch bekannt.

Ende der siebenten Klasse hatte ich eine Wiederholungsprüfung in Englisch, an der ich schließlich scheiterte. Das anschließende Gespräch zwischen meinen Eltern und mir, sollte mein weiteres Leben prägen.

Vor dieser Unterredung fürchtete ich mich, denn ich konnte erahnen, was auf mich zukam. Meine Eltern würden lästige Fragen zu der Prüfung und zu meinem zukünftigen Leben stellen. Doch in diesem Moment wollte ich alles andere, als Rede und Antwort stehen. Meine Gedanken lauteten:

Ich will zur Ruhe kommen!

Ich will mit dem Prüfungsergebnis abschließen!

Ich will mich sammeln und mir meinen weiteren Weg überlegen!

Diese Gedanken standen im Vordergrund. Aus meiner Sicht war deswegen ein Gespräch sinnlos. Ich wollte das gerade Erlebte vergessen. Wann würde dieser Spuk enden? Wann würden diese Qualen vorbei sein? Diese Fragen beschäftigten mich, da ich diesen Kreis durchbrechen wollte.

Ich beschloss, eine Runde spazieren zu gehen, um auf andere Gedanken zu kommen. Daheim zu bleiben, war in diesem Moment unmöglich für mich. Ich brauchte Klarheit. Deswegen stellte ich mir auf dem Weg die folgende Frage:

Was will ich?

Ich ging in mich und dachte über diese Frage nach. Doch meine Wunden waren zu frisch, um auf klare Gedanken zu kommen. Ein Weg blieb mir vorerst verborgen. So lief ich planlos in der Gegend umher. Irgendwann beschloss ich, nach den folgenden Worten zu handeln:

Ich stelle mich dem Gespräch.

Danach trat ich den Heimweg an. Zu Hause warteten bereits meine Eltern. Sie waren angespannt und nervös. Schließlich wollten sie wissen, wie die Prüfung verlaufen sei. Den ganzen Tag über hatten sie an mich gedacht und mit mir mitgefiebert. Jetzt war die Stunde der Wahrheit gekommen.

Meine Mutter ergriff sofort die Initiative und sagte mit ängstlicher Stimme: „Michael, schön, dich zu sehen! Ich habe mir Sorgen um dich gemacht. Wo bist du solange gewesen?“ Nach einer kurzen Erklärung meinerseits blickte sie mich hoffnungsvoll an und fragte: „Wie ist die Prüfung verlaufen?“ Doch ihre Mimik verriet, dass sie die Antwort bereits erahnte.

Als ich sie so vor mir stehen sah, wurde ich noch trauriger. Ich hatte nicht nur mich, sondern auch meine Mutter und meine gesamte Umgebung enttäuscht.

Dieses Bild trug ich in meinem Kopf und empfand es deshalb als schwierig, die richtigen Worte zu finden. Gedemütigt senkte ich den Kopf und schloss dabei die Augen. Danach gab ich leise von mir: „Ich bin leider durchgefallen!“ Nachdem ich diese Worte ausgesprochen hatte, fiel eine Last von meinen Schultern. Meine Tränen hielt ich allerdings zurück, obwohl ich innerlich weinte.

Im Außen versuchte ich ruhig und gelassen zu bleiben. Doch im Inneren war ich verletzbar wie selten zuvor. Das Prüfungsergebnis setzte mir zu.

Das Ergebnis zeigte auch bei meiner Mutter Wirkung. Sichtlich geschockt von dieser Nachricht ließ sie sich aufs Sofa fallen. Danach brach sie in Tränen aus.

Dieser Anblick tat mir weh. Ich gab mir die Schuld für ihre Verzweiflung. Schließlich hatte ich versagt.

Meine Mutter heulte so sehr, als stünde das Ende der Welt bevor. Irgendwann stellte sie mir verzweifelt und schluchzend die folgenden Fragen: „Michael, wie wird es nun weitergehen? Bleibst du in der Schule? Wie stellst du dir deine Zukunft vor?“

Diese Worte wirkten in dem Moment bedrohlich auf mich, denn ich kannte die Antwort nicht. So begann ich erneut darüber nachzudenken und fiel dabei in einen tranceähnlichen Zustand. Dies geschah deswegen, da meine Mutter immer wieder zu wissen verlangte: „Wie wird es weitergehen? Hat es einen Sinn, die Schulklasse zu wiederholen? Wie stellst du dir die Zukunft vor? Bist du zu dumm für die Schule?“

Diese Fragen prallten im Sekundentakt auf mich ein. Sie wirkten wie Geschosse, denen ich machtlos ausgeliefert war. Sie zogen mir den Boden unter den Füßen weg.

So verlor ich meinen Halt und ich fiel in einen bodenlosen Raum. Der Sinn meines Lebens rückte dabei immer mehr in die Ferne. Auch die Worte meiner Mutter rückten an den Rand. Übrig blieben die folgenden Aussagen, die sich in meinem Kopf festsetzten: „Ich bin zu dumm. Ich habe versagt. Alles ist verloren.“ Sie erweckten schließlich den folgenden Gedanken in mir:

Ich will meinem Leben ein Ende setzen!

Zu diesem Entschluss kam ich. Es wäre für alle Beteiligten besser, wenn ich diese Welt verließ. Dann würden das Leid und der Schmerz, die ich verursacht hatte, enden. Doch auf welche Art sollte ich mein Leben beenden? Diese Frage galt es, zu beantworten. Der erste Gedanke, der mir in den Sinn kam, lautete:

Ich will mich aus dem Fenster stürzen!

Mit einem Sprung aus dem sechsten Stock wollte ich meinem nutzlosen Dasein ein Ende bereiten.

So begann ich, mich langsam in der Wohnung auf und ab zu bewegen. Von welcher Seite würde ich mich hinunterstürzen? Sollte ich das Fenster wählen, das in Richtung Hof zeigte? Oder vom Balkon springen, der zur Straßenseite gerichtet war?

Diese Fragen gingen mir in diesem Moment durch den Kopf. Hofseite? Oder doch lieber Straßenseite? Dabei rannte ich von einem Ende des Zimmers zum anderen. Und als ich dies tat, stellte ich mir den freien Fall vor. Mein Geist entwich dabei dem Körper. So konnte ich von außen beobachten, wie mein Körper am Asphalt zerschellte. Mein Kopf zersprang in tausend Teile. Blut breitete sich rasch am Boden aus. Ein letztes Zucken durchfuhr meine Arme und Beine. Dann war es vorbei. Keine einzige Regung zuckte mehr durch meinen Körper. Zurück blieben meine Eltern und Freunde, die um mich trauerten. Doch das war mir egal. Diesen Tod starb ich in diesem Moment Tausende Male.

Doch irgendwann erklang eine Stimme in meinem Kopf. Sie sprach zu mir: „Michael, willst du das wirklich? Es ist egal, ob du die Straßenseite oder die Hofseite wählst. Tod bist du hier und dort. Oder willst du leben? Dann komm ab von diesem Gedanken. Vertraue mir. Das Leben hat dir noch viel zu bieten.“

Diese Worte machten mich neugierig. Was sollte mir das Leben zu bieten haben? Diese Frage stellte ich in den Raum und die Stimme antwortete mir: „Versuche zu schlafen. Morgen sieht die Welt ganz anders aus. Gewinne Abstand von der Situation. Denk an etwas anderes. Das wird dir gut tun. Als kleiner Trost sei gesagt: Viele Menschen vor dir mussten die Schulstufe wiederholen. Denk an deinen Vater. Denk an Albert Einstein. Doch jeder Mensch machte etwas aus seinem Leben. Also hebe den Kopf, straffe die Schultern und mach etwas aus deinem Leben. Es liegt nur an dir. Vertraue mir. Ich werde da sein, wenn du mich rufst.“

Diese Worte beruhigten mich. Sie holten mich zurück aus der Trance. Auf dem Sofa sah ich nun wieder meine Mutter sitzen. Sie heulte nach wie vor und gab dabei die folgenden Worte von sich: „Michael, was ist los? Bist du zu dumm für die Schule? Wie wird es weitergehen? Wie stellst du dir deine Zukunft vor?“

Doch diesmal antwortete ich ihr: „Mama, lass gut sein. Reden wir morgen weiter. Ich möchte über die Situation nachdenken und schlafen. Morgen sieht die Welt ganz anders aus. Ich gehe jetzt in mein Zimmer.“ Nachdem ich dies gesagt hatte, zog ich mich zurück. Wenig später schlief ich erschöpft ein.

Blicke ich heute auf jene Stunden zurück, dann bin ich dankbar, dass ich sie erleben durfte. Anfangs schien alles hoffnungslos zu sein. Doch mit der Zeit sollten sich mir Wege offenbaren. Diese wären im Verborgenen geblieben, wenn ich an diesem Tag mein Leben beendet hätte. Speziell den folgenden Leitsatz nahm ich aus diesem Erlebnis für mein zukünftiges Leben mit:

Zeit heilt alle Wunden

 

Damals war ich am Boden zerstört. Doch ich stand wieder auf. Das gab mir die Kraft für meinen weiteren Weg. Und schon bald sollte ich wieder Gefallen an meinem Leben finden. Dazu ging ich in mich und stellte mir erneut die folgende Frage:

Was will ich?

Über diese Frage dachte ich intensiv nach. Daraus sollten schließlich die Folgefragen entstehen:

Was will ich in meinem Leben wirklich erreichen?
Was bereitet mir Freude?
Was macht mich glücklich?
Wie stelle ich mir mein Leben vor?

Diese Fragen galt es zu beantworten, und mit der Zeit sollte ich zu folgendem Entschluss kommen:

Ich will in der Schule wieder Fuß fassen!

Ich will angesehen bei meinen neuen Mitschülern sein!

Ich will an dieser Schule das Abitur machen!

Ich will einen anderen Lehrer in Englisch bekommen!

Ich will eine Freundin haben!

Ich will Fußball spielen!

Ich will Geld verdienen, damit ich auf eigenen Beinen stehen kann!

Ich will erwachsen sein!

All diese Gedanken wollte ich nun in meinem Leben verwirklichen. Doch das Fußballspielen und die Schule konnte ich nur schwer unter einen Hut bringen. Beide Sachen waren sehr zeitintensiv.

Damit ich meine guten Leistungen im Sport erbringen konnte, trainierte ich vier Mal in der Woche bei Sk Rapid Wien. Zusätzlich machte ich ein Sondertraining, um körperlich fit zu sein. Dies verschaffte mir gegenüber meinen Mitspielern einen Vorteil.

Doch nun galt es, meine schulischen Defizite aufzuarbeiten. Dafür brauchte ich ebenfalls Zeit. Das wusste ich. Doch woher sollte ich sie nehmen? Schließlich ist Zeit begrenzt verfügbar. Nach langem Nachdenken sollte ich zu folgendem Entschluss kommen:

Ich will das zusätzliche Training einstellen!

Das war mein Opfer, das ich bereit war, zu erbringen, um in der Schule wieder Fuß zu fassen. Ich machte die Schule zur obersten Priorität. Das Fußballspielen rückte an zweite Stelle. Mit dieser geänderten Lebenseinstellung betrat ich die neue Klasse. Von meinen Kameraden wurde ich herzlich willkommen geheißen. So fiel es mir leicht, die folgenden Worte zu sagen:

Ich fühle mich wohl.

Gleich von Beginn an wurde ich von meinen Mitschülern gut aufgenommen. Dieses Wohlwollen tat mir gut, denn es brachte mir das Ansehen, das ich mir so sehr gewünscht hatte. Ich bekam auch einen neuen Lehrer in Englisch. Dies ermöglichte mir der Schuldirektor, der meinem Vorschlag, am Englischunterricht in der Parallelklasse teilzunehmen, zustimmte.

Somit war der neue Grundstein gelegt, und ich blickte hoffnungsvoll der Zukunft entgegen. Mit der Vergangenheit hatte ich abgeschlossen und begriff nun die Aussagen, die mir meine Eltern, über all die Jahre versucht hatten, beizubringen:

„Das Wichtigste im Leben ist die Schule. Wenn du eine gute Schulausbildung hast, stehen dir alle Wege offen. Dann wirst du leicht in der Berufswelt Fuß fassen. Du kannst dann so viel Geld verdienen, dass du dir alles leisten kannst, was du dir wünschst. Du wirst dich und deine Familie ernähren können und ein sorgenfreies Leben führen.

Widmest du deine Aufmerksamkeit ausschließlich dem Fußballspielen, so ist ungewiss, was geschehen wird. Es gibt so viele gute Spieler. Weiter besteht die Möglichkeit, dass du dich verletzt und den Sport nicht mehr ausüben kannst. Was willst du dann tun? Deswegen soll Fußball nur dein zweites Standbein sein.“

Diese Aussagen ergaben auf einmal einen Sinn. Ich erkannte, dass erwachsene Menschen Situationen ganz anders einschätzen konnten. Ich hingegen lebte bis zu diesem Zeitpunkt in einer Traumwelt. Es war nun an der Zeit, meine kindlichen Fantasien und Träumereien aufzugeben. Dies tat ich, indem ich die folgenden Gedanken fasste:

Ich will erwachsen sein!

Ich will den Vorstellungen der Gesellschaft entsprechen!

Ich will von der Gesellschaft als erwachsen angesehen werden!

Diese Gedanken sollten mein Leben verändern. Doch wie stellte ich mir Erwachsensein vor? Diese Frage galt es zunächst, zu beantworten. Deswegen begann ich, erwachsene Menschen zu beobachten. Ich schaute mir ihr Verhalten genau an und stellte dabei Folgendes fest:

Erwachsene verfügen über eine gute Schulausbildung. Erwachsene haben eine Arbeit. Erwachsene führen eine Beziehung. Erwachsene besitzen Kleidung, ein Auto und eine Wohnung. Erwachsene haben Geld. Erwachsene rauchen Zigaretten. Erwachsene trinken Alkohol.

So nahm ich die Gesellschaft wahr und wollte nun unbedingt Teil dieser Gesellschaft sein. Im Außen glaubte ich zu erkennen, was für mein zukünftiges Leben wichtig sein würde. Unbewusst begann ich, mich aus dem Zustand des Seins fortzubewegen und tauchte langsam in den Zustand des Habens ein. Dies geschah unter anderem dadurch, indem ich die folgenden Vorsätze fasste:

Ich will Alkohol trinken!

Ich will Zigaretten rauchen!

Ich will Geld haben!

Ich will Arbeit haben!

Ich will eine Beziehung führen!

Ich will Kleidung, ein Auto und eine Wohnung besitzen!

Schritt für Schritt begann ich, mein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Ich fing an, Alkohol zu trinken und Zigaretten zu rauchen. Ich begann mich schick und modisch zu kleiden. Dafür benötigte ich Geld. Daher ging ich in den Sommerferien arbeiten, damit ich mir dieses Leben leisten konnte.

In meiner Kindheit sah ich Scheine und Münzen als Mittel zum Zweck an. In meiner Jugend änderte sich diese Sichtweise. Geld nahm einen höheren Stellenwert ein. Ich hatte erkannt, dass ich mir damit alles leisten konnte, was ich wollte. Die folgenden Aussagen beschreiben, wie ich die Welt nun wahrnahm:

Mit Geld kann ich mir ein Auto kaufen. Mit Geld kann ich mir ein Haus kaufen. Mit Geld kann ich mir Kleidung kaufen. Mit Geld kann ich mir Nahrung kaufen. Mit Geld kann ich mir Freunde kaufen. Mit Geld kann ich mir Frauen kaufen. Mit Geld kann ich mir Politiker kaufen.

Es entstand der Eindruck in mir, dass Geld das Wichtigste auf der Welt sei. Ich glaubte zu erkennen, dass es mir alle Türen und Tore öffnen würde. Bestärkung darin fand ich in den folgenden gesellschaftlichen Aussagen: „Geld macht glücklich. Geld macht frei. Geld bringt Wohlstand. Geld bringt Anerkennung.“

Diese Sätze hörte ich tagein und tagaus. Es dauerte einige Zeit – doch irgendwann begann ich, daran zu glauben. Und als ich dies tat, wurde Geld zum Mittelpunkt meines Lebens. In meiner Kindheit regierte ich meine Welt. In meiner Jugend regierten Scheine und Münzen meine Welt. So veränderte sich mein Leben von der Selbstbestimmung hin zur Fremdbestimmung.

Daher hörte ich auf, an meine Vorstellungen zu glauben. Die Sichtweise von außen hatte mich überzeugt. So wurde ich schließlich von der Gesellschaft geformt. Ich wurde ihr Sklave. Der folgende Leitsatz begann mein Leben zu dominieren: 

Geld regiert die Welt

 

Ich wollte mehr davon. Und als ich meine Aufmerksamkeit auf den Mehr-Gedanken lenkte, setzte mein persönlicher Wandel ein. Ich definierte meine Welt gedanklich neu. In meiner Kindheit war ich einfach glücklich. In meiner Jugend begann ich nun, mein Glücklich-Sein abhängig zu machen. Die folgenden Aussagen beschreiben meine damalige Vorstellung:

„Ich bin glücklich, wenn ich eine Beziehung führe. Ich bin glücklich, wenn ich einen Beruf habe. Ich bin glücklich, wenn ich Geld, Kleidung, ein Auto und eine eigene Wohnung besitze.“

Von diesen Aussagen machte ich nun meinen emotionalen Zustand abhängig. Und so geschah es, dass ich wahres Glücklich-Sein mit der Zeit zu verlernen begann, denn ich hatte es an Bedingungen geknüpft. Blieb eine davon unerfüllt, war ich unzufrieden. So verlernte ich schließlich, folgende Worte zu sagen:

Ich bin glücklich.

Heute ist mir klar, dass ich durch diese Denkweise unbewusst die Achterbahnfahrt meiner Gefühle erschuf. Je mehr Bedingungen sich in meinem Leben gleichzeitig erfüllten, desto intensiver wurde mein Glücksgefühl. Trafen alle Bedingungen ein, so hatte ich den Höhepunkt meines emotionalen Positivzustands erreicht.

Dieser Zustand hielt solange an, solange ich alles hatte, was ich wollte. Änderten sich hingegen die Bedingungen, so begann sich auch mein Glücksgefühl zu verändern. Ich spürte, dass etwas fehlte. Dieses Gefühl sollte schließlich die Talfahrt einleiten. Ich bewegte mich abwärts und verlor so an Höhe. Durch den Höhenverlust geriet mein wahres Glück in weite Ferne.

Die Achterbahnfahrt der Gefühle war geboren. Und ich lernte, mit meinen Gefühlsschwankungen umzugehen. Sie wurden zu einem festen Bestandteil in meinem Leben. Schon bald sah ich sie als normal an. In meiner Kindheit war es jedoch anders. Von Gefühlsschwankungen hatte ich keine Ahnung, da ich mein Glücksgefühl aus mir SELBST schöpfte.

Als John Lennon ein Kind war, sprach seine Mutter eines Tages zu ihm: „John, achte immer darauf, dass du glücklich bist. Glücklich sein ist das Einzige, was im Leben zählt.“ Als der Junge diese Worte von seiner Mutter hörte, spürte er, dass sie sein Leben auf eine positive Art und Weise prägen sollten. Und so vergingen die Jahre. John wuchs heran. Als er nun das Alter eines Jugendlichen erreicht hatte, stellten ihm seine Eltern folgende Frage: „Was willst du werden, wenn du groß und erwachsen bist?“ Der Junge dachte einen Moment nach. Dann antwortete er auf diese Frage mit folgenden Worten:

Ich will glücklich sein!

Daraufhin lächelten Johns Eltern. Sie sagten zu ihm: „Du hast die Frage falsch verstanden. Wir wollten wissen, was du werden willst.“ „Ich weiß, was ihr wissen wolltet!“, antwortete der Junge. Danach erklärte er, dass sein Vater und seine Mutter das Leben wohl falsch verstanden. Er wollte jedenfalls von sich stets sagen können:

Ich bin glücklich.

Mir ging es ähnlich. Als Kind konnte ich einfach sein. Glücklich sein. Ich tat, was ich tun wollte. In meiner Jugend lernte ich jedoch zu funktionieren. Ich tat, was andere von mir verlangten. Heute ist mir bewusst, dass diese veränderte Lebenseinstellung enorme Auswirkungen auf mein Leben hatte. Ich wandte mich ab vom Zustand des Seins und begab mich unbewusst in den Zustand des Habens.

Damals merkte ich, dass eine Veränderung in mir vorging. Doch deren Folgen kannte ich nicht. Daher ließ ich sie zu, um an meinem eigenen Leib zu erfahren, was sie bewirken.

Das folgende Gedicht entstand in meiner Jugend und beschreibt, wie ich diese Veränderung damals wahrnahm:


Streben nach Macht

Haben, haben, haben.
Anstelle unsres SEINS.
Bloß der Besitz von Gaben.
Ermächtigt unser EINS.
Niemand löst sich vom Haben.

Haben, haben, haben.
Alles dreht sich um Neid.
Bangen um die Gaben.
Ein jeder findet Leid.
Niemand löst sich vom Haben.

Haben, haben, haben.
Als Nichts fühlt man sich leer.
Bald wenig Liebe – wenig Gaben.
Es lohnt sich nichts mehr.
Niemand löst sich vom Haben.

Myra Fall 1998

So hielt ich damals die bevorstehende Veränderung fest. Was danach geschah, ist schnell erzählt. Ich lernte meine erste Freundin Elena kennen. Durch die Beziehung sollte sich meine Denkweise verändern. In meiner Kindheit war ich der Mittelpunkt meiner Welt. Nun machte ich Elena zum Mittelpunkt meiner Welt. Meine Gedanken formulierte ich folgendermaßen:

Für Elena will ich da sein!

Mit Elena will ich meine Zukunft verbringen!

Mit Elena will ich leben!

Elena rückte an erste Stelle. Mein „Ich“ hingegen, nahm den zweiten Platz ein. So begann sich meine Welt um Elena zu drehen. Im Namen der Liebe fand dieser Wandel statt. Ich glaubte nun zu verstehen, was es bedeutet, einen Menschen wahrhaftig zu lieben. Bestätigung für diese Art von Liebe fand ich in der Beziehung meiner Eltern zueinander.

Meine Mutter sagte etwas und mein Vater verwirklichte ihre Worte. So waren sie füreinander da. Sie ergänzten sich. Alles, was meine Mutter wollte, bekam sie. Denn sie sprach ihre Anliegen offen aus. Mein Vater hingegen hörte zu und begann, jeden ihrer Wünsche zu realisieren. Dieses Bild des füreinander Daseins prägte mich, und ich begriff nun den folgenden Leitsatz:

In guten wie in schlechten Zeiten

 

Auch ich wollte auf diese Weise für Elena da sein. Daher begann ich, ebenfalls alles zu tun, um Elena glücklich zu machen. Doch als ich dies tat, begann ich mein SELBST zu vernachlässigen. Ich machte mein Glücklich-Sein von Elena abhängig. All dies geschah unter dem Vorwand „im Namen der Liebe.“

Im Namen der Liebe legte ich nun das Amt des Schulsprechers nieder. Ich tat dies, weil das Ansehen, das dieses Amt mit sich brachte, Elena verletzte. Ihre Kränkung zeigte sie, indem sie eines Tages an ihrer Hand zu ritzen begann. Die sichtbaren Narben machten mir Angst. Sie waren der Anlass für meinen Entschluss.

Diesen teilte ich dem Schuldirektor mit. Er bedauerte meinen Rücktritt, doch er verstand ihn. Die folgenden Worte gab er mir mit auf den Weg: „Helfen kann sich Elena nur selbst. Du kannst sie auf ihrem Weg bestenfalls unterstützen. Elena ist für ihre Handlungen verantwortlich, du für deine.“ Aus diesem Gespräch lernte ich schließlich den folgenden Leitsatz zu begreifen:

Jeder Mensch trägt die Verantwortung für seine Handlungen

 

Doch seine Worte sollten erst zu einem späteren Zeitpunkt Sinn ergeben. Und so geschah es, dass ich ihre Sorgen und Probleme zu meinen eigenen machte. Elena war die Person, um die täglich meine Gedanken kreisten. Sie stellte die Sonne dar, um die sich meine Welt zu drehen begann. Ich strahlte, wenn sie strahlte.

Daher war es logisch und naheliegend für mich, Elena an mich zu binden. Zum Zeichen meiner Liebe schenkte ich ihr zu unserem ersten Weihnachtsfest einen Verlobungsring. Ich tat dies in dem Glauben, dass ich so wieder Kontrolle über die Situation erlangen würde. Die Liebe stand für mich erst an zweiter Position.

Heute würde ich anders handeln und einen Verlobungsring nur mehr aus Liebe schenken. Daraus entstehen Gefühle wie Sicherheit, Geborgenheit und schließlich auch Kontrolle. Ich hingegen gab Elena den Ring ausschließlich, weil ich Kontrolle erlangen wollte. Und als ich dies tat, veränderte ich unbewusst die Symbolik dieses Schmuckstücks.

Für mich war der Verlobungsring ein Machtinstrument. Sein Besitz stärkte mich. Er verlieh mir Kraft, sodass mein Selbstbewusstsein stieg. Als Person fühlte ich mich mehr wert. So erlangte ich auch das Ansehen in der Gesellschaft, das ich mir so sehr gewünscht hatte. Über das Außen hatte ich meine innere Mitte wieder gefunden.

Blicke ich heute auf diese Zeit zurück, so erkenne ich, wie sich damals mein Leben vom Zustand des Seins zum Zustand des Habens verlagerte. In meiner Kindheit war Jesu mein Vorbild. Ich glaubte an seine Geschichte. In meiner Jugend hingegen begann ich, die Geschichte Jesu aus meinem Leben zu verbannen.

Die Lebensläufe anderer Personen gewannen für mich an Interesse. Es waren die Geschichten, die Hollywoodstars schrieben. Und schon bald wurden sie zu meinen Vorbildern. Dies geschah deswegen, weil sie stets in den Medien und im Fernsehen präsent waren. Ich begann an das zu glauben, was ich täglich zu sehen bekam.

So wurde ich von außen geformt und mein persönlicher Wandel setzte ein. Meine Persönlichkeit definierte ich nach meinen Beobachtungen. Es war die Zeit, in der ich das Rauchen von Zigaretten und das Trinken von Alkohol zu einem festen Bestandteil meines Lebens machte. Ich redete mir ein, dass ich diese Dinge unbedingt benötigte.

All diese Vorgänge fanden im Namen der Liebe statt. Zum damaligen Zeitpunkt kannte ich ihre Auswirkungen nicht. Daher überprüfte ich sie an meinem eigenen Leib. Heute weiß ich, was ich im Leben ausdrücken möchte. Ich mache nur das, was ich SELBST vor mir verantworten kann. Schließlich kenne ich die Bedeutung der folgenden Worte:

Ich bin für mein Handeln verantwortlich.

So sollte sich mein Leben schrittweise verändern. Die Spiritualität ersetzte ich durch das wissenschaftliche Denken. Als Kind konnte ich an Übersinnliches glauben. In meiner Jugend kam ich davon ab. Mich überzeugten nur noch jene Dinge, die wissenschaftlich bewiesen werden konnten. Ich hatte gelernt, mein Leben nach dem folgenden Leitsatz auszurichten:

Glauben heißt nicht wissen

 

Heute weiß ich, dass der Glaube die Grundvoraussetzung für die Wissenserlangung ist. Bevor ich weiß, wie eine Sache funktioniert, muss ich zuerst an sie glauben. Das Vertrauen in eine Sache wird zu meinem persönlichen Antrieb. Er motiviert mich so sehr, dass ich ständig den folgenden Gedanken in meinem Kopf trage:

Ich will die Sache verwirklichen!

Danach versuche ich meine Gedanken in der Realität umzusetzen. Ich handle. Dabei wechselt sich der Prozess des Denkens mit dem Prozess der Aktivität ständig ab. Konnte ich den gewünschten Zustand erreichen und bin ich in der Lage, ihn jederzeit wiederherzustellen, habe ich Wissen erlangt.

Ein gutes Beispiel für diesen Prozess ist dieses Buchprojekt. Im ersten Schritt überlegte ich mir, was ich erreichen will. Ich definierte mein Ziel. Im zweiten Schritt dachte ich darüber nach, wie ich mein Ziel am besten erlange. Danach wurde ich selbst aktiv, indem ich zu schreiben begann. Dabei wechselten der Schreibprozess und der Denkprozess einander ständig ab.

In diesem Moment hältst du das Buch in deinen Händen. Das bedeutet, dass ich alle Schritte durchwandert bin, die für eine Buchveröffentlichung notwendig sind. Was einst in meinem Geist entstand, ist nun real geworden. Du kannst es angreifen. Du kannst es lesen. Das ist für mich der Beweis, dass der Geist die Materie formt und ich die folgenden Worte von mir sagen kann:

Ich weiß, dass es so ist.

Ich habe den Entstehungsprozess an meinem eigenen Leib durchlebt. Heute weiß ich, dass ich durch meine Gedanken meine Realität erschaffe. Dieses Wissen erlangte ich durch Reflexion, indem ich mir meine Vergangenheit anschaute und daraus zu lernen begann.

Wie kommst du mit deiner Vergangenheit zurecht?
Kannst du dich an deine Jugend erinnern?
Wie war deine Sichtweise?
Gibt es Parallelen zwischen meiner Jugend zu deiner Jugend?
Welche Erfahrungen nimmst du aus deiner Jugend mit?
Wann begann sich dein Leben zum ersten Mal zu verändern?
Was prägte dich in deiner Jugend?

Gehe in dich und denke in Ruhe über diese Fragen nach. Lasse deinen Gedanken freien Lauf und nimm dir für die Beantwortung so viel Zeit, wie du brauchst. Sei dabei ehrlich zu dir SELBST.

Wenn sich aus einer Frage weitere ergeben, dann halte diese ebenfalls in deinem Tagebuch fest. Du wirst auf alles eine Antwort bekommen, die du dir schließlich SELBST geben wirst.

Bevor ich mich dem nächsten Kapitel „Sicht-Weise: Erwachsen“ zuwende, möchte ich dir noch zu Ende erzählen, wie sich mein Leben in der Jugend gewandelt hat. Dank der Beziehung zu Elena begann ich, meine Einstellung zur Schule zu überdenken. Dabei sollte sich folgender Entschluss herauskristallisieren:

Ich will in der Schule Fuß fassen!

Dieser Gedanke sollte mein Handeln verändern. Und so geschah es, dass ich meine Aufmerksamkeit vermehrt auf meine Ausbildung lenkte. Ich setzte mich mit meinen schulischen Defiziten auseinander. Dabei handelte ich nach den folgenden Worten:

Ich behebe meine Defizite.

Als ich dies tat, wandte ich meinen Blick vom Sport ab. Die Folge war, dass meine Leistungen in der Schule zunahmen, meine Leistungen im Sport nahmen jedoch ab. So lernte ich unbewusst den folgenden Leitsatz an meinem eigenen Leib kennen:

Jede Medaille hat zwei Seiten

 

Die Seite, die ich nun kennenlernte, war, dass der Erfolg in der Schule zurückkehrte. Der Erfolg im Sport hingegen nahm ab. Dies sollte schließlich dazu führen, dass SK Rapid Wien meinen Vertrag auflöste und mich für einen anderen Verein freigab. Mein Traum, bei SK Rapid Wien Fußball zu spielen, war ausgeträumt.

Nun galt es, eine neue Vorstellung zu kreieren. Doch wie sollte diese aussehen? Als Kind lebte ich den Traum, den ich SELBST erschuf. Als Jugendlicher begann ich nun, einen Traum zu leben, den die Gesellschaft in mir hervorgerufen hatte. Heute weiß ich, wie es dazu kam. Ich übernahm das gesellschaftliche Denken für mein Leben.

So gelang es mir schließlich, mein erstes Etappenziel in meinem Leben zu erreichen. Ich schloss das Gymnasium mit dem Abitur ab. Dieses Ereignis sollte zu einem besonderen Tag in meinem Leben werden, denn ich verließ den Kreis der Jugend und wurde in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen. Ab diesem Zeitpunkt konnte ich selbstbewusst die folgenden Worte sagen:

Ich bin erwachsen.

Ende Leseprobe 3

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Leseprobe 1

Über Myra Fall

Leseprobe 2

Vor-Wort

Leseprobe 4

Der Tag der Trennung

Leseprobe 5

Entstehung dieses Buches

Leseprobe 6

Das Leben leben

Trilogie

Teil 1

Der erste Teil „Der vergessene Weg zur vollkommenen Liebe“ aus der Trilogie der Weg zum Sein“ ist als eBook in diversen Onlinestores erhältlich oder steht Dir im Mitgliederbereich als gratis Download zur Verfügung.

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